Integrierte Grundausbildung im Ortsverband Rheine

Leonie: Ich bleib dabei, weil es einfach Spaß macht zu den Diensten zu kommen und mit den anderen zusammen zu sein.

Leonie, du bist gerade quasi mittendrin in der Grundausbildung. Wie geht es dir damit? Wie ist der Einstieg in die Grundausbildung abgelaufen?

Einige der Junghelferinnen und Junghelfer sind mit mir in die Grundausbildung gegangen und die meisten kannte ich deshalb schon. Mit den anderen Anwärterinnen und Anwärtern habe ich mich aber auch schnell verstanden. Die Ausbilder sind auch immer gut drauf und dadurch machen mir die Ausbildungsdienste immer riesigen Spaß.

Was ist für dich das Besondere in der Grundausbildung? Gibt es etwas, was dir besonders viel Spaß macht?

Das Besondere an der Grundausbildung ist, dass man bei den „Großen“ im Zug mitfahren darf. Besonders viele Freude hatte ich auch im Februar, als wir Helferanwärterinnen und -anwärter mit auf das Übungsgelände durfte. Es war zwar anstrengend und ich hatte viele blaue Flecken, aber es hat einfach total Spaß gemacht!

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was möchtest du als Helferin später am liebsten machen?

Ich würde gerne in eine der beiden Bergungsgruppen und wenn das nicht klappen sollte, dann würde ich gerne in die Fachgruppe Räumen und dann möchte ich vielleicht später auch noch den LKW-Führerschein machen.

Hast du noch Anbindung an die Jugendgruppe, stehst du noch in engem Kontakt mit den Jugendlichen?

Also ich gehe auch immer noch gerne zu den Jugenddiensten, weil es einfach Spaß macht den Jüngeren etwas zu zeigen und beizubringen. Ich erzähle dann auch, was ich nun selbst in der Grundausbildung alles mache. Die Jugendlichen sind ganz interessiert und stellen immer viele Fragen.

Kevin: Ich bleib dabei, weil ich sehen will, was aus den Jugendlichen wird und wie sie sich entwickeln. Weil sich Freundschaften im THW entwickeln und ich gemeinsam mit meinem AB die Arbeit im Büro koordinieren kann und dann sehe, was die Helferinnen und Helfer letztendlich an der Einsatzstelle leisten. Das ist das, was mich freut und deshalb „bin ich dabei“ und „ich bleib dabei“.

Kevin, nun gehörst du ja mit Anfang zwanzig schon zu den tragenden Säulen im OV, die auch Verantwortung übernehmen. Wie hast du damals den Wechsel von der Jugendgruppe zu den Aktiven persönlich erlebt?

Durch das neue Konzept, welches in meiner Grundausbildungszeit zum ersten Mal getestet wurde, hatte man einen größeren Bezug zum Zug. Da ein Gruppenführer unsere Gruppe nicht alleine ausgebildet hat, brachte er oft weitere Helferinnen und Helfer aus der jeweiligen Gruppe mit. Schnell lernte man eine Großzahl von Helferinnen und Helfer aus den verschiedensten Gruppen des Zuges kennen.

Einige Helferinnen und Helfer, die uns ausbildeten, kannte ich persönlich schon aus meiner Junghelferzeit. Hier ist für mich ein besonderes Plus, denn man war sich vertraut.

Der Übertritt nach der Grundausbildung in den Zug, verlief total problemlos. Man hatte sich im Laufe der Grundausbildung ein eigenes Bild von jeder Gruppe gemacht und hatte sich ausgemalt, in welcher Gruppe man gerne Helfer sein möchte.

Bei den ersten Dienstabenden habe ich mich nie als „Neuer“ gefühlt. Man wurde direkt mit eingebunden und hatte feste Aufgaben, das hat mir sehr gut gefallen.

Kevin, du bist im Ortsverband Verwaltungsbeauftragter. Gleichzeitig hast du dich auch zur Kandidatur für das Amt des stv. Ortsjugendleiters bereit erklärt und bist gewählt worden. Deine Wurzeln sind also in der Jugend, bleibst du ihr deshalb auch treu?

Als Verwaltungsbeauftragter habe ich die Möglichkeit beide Tätigkeiten ordentlich auszuführen. Zwischen dem Posten des Verwaltungsbeauftragten und des stellv. Ortsjugendleiters gibt es viele Parallelen die man super kombinieren kann. Ich versuche mich nicht nur im Stab weiterzubilden, sondern lege auch viel Wert darauf, praxisrelevante Dinge zu lernen, um den Jugendlichen noch mehr zu erklären. Daher habe ich mich auch entschieden mich zum Prüfer Grundausbildung ausbilden zu lassen, um den Jugendlichen in ihrer Prüfung ein bekanntes Gesicht zu geben und die „Nervosität“ zu nehmen.

Ein weiterer Punkt ist, zu sehen was aus jedem einzelnen Jugendliche wird. Viele Jugendliche kenne ich noch als elfjährige Kinder. Heute fahren sie mit ihrem eigenen Auto zum Jugenddienst und bilden selbst unsere Junghelferinnen und Junghelfer in der Jugend aus. Die Ausbildung der Junghelferinnen und Junghelfer zusammen mit dem Ortsjugendleiter, meinem Vater Thomas und den vielen weiteren Helferinnen und Helfern aus dem Zug zu kordieren macht mir riesig viel Spaß.

Wenn du auf deine persönliche Entwicklung und deine THW-Karriere schaust, was macht euch und eure Art, den Übertritt für Jugendliche zu gestalten, in Rheine aus?

Das wir „ein“ THW sind. Es gibt bei uns keinen Unterschied, ob Jugend, Grundausbildung, Stab oder Zug. Das merkt man immer wieder auf Öffentlichkeitsveranstaltungen. Hier zeigen Helferinnen und Helfer zusammen mit Jugendlichen, interessierten Besuchern, was genau das THW kann und was uns auszeichnet.

Genauso wird bei uns die Kameradschaftspflege groß geschrieben. Es gibt bei uns zum Beispiel eine Weihnachtsfeier des Ortsverbandes mit allen Helferinnen und Helfer, egal ob Jugendliche oder Aktive.

Ich denke, dass es das ist, was uns von anderen unterscheidet und was den Junghelferinnen und Junghelfern von Anfang an zeigt, dass sie sich gut aufgehoben fühlen.

Paul: Ich bleib dabei, da mir das Herz aufgeht, wenn alles wie am Schnürchen funktioniert hat, wenn die Helfer am Ende mit einem Lächeln vom Einsatz wiederkommen. Das ist das was mich antreibt.

Paul, du bist nun schon seit einigen Jahren Ausbildungsbeauftragter im Ortsverband Rheine. Nach dem ersten Kalenderblatt zur Kampagne „Ich bleib dabei“ hast du uns sofort deine Unterstützung angeboten. Warum setzt du dich als AB so für das Thema „Übertritte“ ein?

Als Ausbildungsbeauftragter lernt man bei Lehrgänge, Tagungen und Ausbildungen viele Ehrenamtliche kennen und kommt mit ihnen ins Gespräch. Oftmals drehen sich diese Gespräche, insbesondere von Ortsbeauftragten, deren Stellvertretern und Ausbildungsbeauftragten um die Helfergewinnung, Jugend und Übertritte. Die damit verbundenen Probleme sind uns aus der Vergangenheit bekannt und wir konnten sie durch eine Handvoll kleiner Maßnahmen und enge Zusammenarbeit im Ortsverband äußerst erfolgreich bewältigen. Als ich von der Kampagne im Dezember lass, habe ich den Entschluss gefasst unsere durchweg positiven Erfahrungen zu Papier zu bringen.

Vor der Neukonzeptionierung hatten wir eine Grundausbildungsgruppe, die getrennt von Jugend und Zug agierte. Wer als Junghelferin oder Junghelfer 18 geworden war, wurde in die Grundausbildung geschickt und dann war es das quasi in der Jugend. In der Grundausbildungsgruppe gab es deshalb immer ein Kommen und Gehen, so konnte kein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Insbesondere die Jugendlichen, aber auch Erwachsene fühlten sich einfach verloren. Der Preis dafür war, dass aus der Zeit vor der Neukonzeptionierung, obwohl die Junghelferzahlen immer stabil über 30 waren, nur eine Handvoll Jugendliche den Übertritt geschafft hat.

Alle Beteiligten waren mit der bisherigen Situation unzufrieden und deshalb haben wir uns zusammengesetzt und nach einigen, teilweise kontrovers geführten Diskussionen auf ein neues Konzept geeinigt.

Also habt ihr euch überlegt, dass ihr etwas ändern müsst. Paul, was ist deiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg in eurem Konzept? Was genau macht ihr heute anders?

Unser Konzept besteht aus vielen kleinen, einfach umzusetzenden Bausteinen, die zusammen jedoch Enormes bewirken können.

Jeweils ein Jahrgang der Junghelferinnen und Junghelfer wechselt in die Grundausbildung. So haben wir immer einen Kern der Gruppe der aus ca. 5-8 Jugendlichen besteht. Zusammen mit den weiteren Helferanwärterinnen und Helferanwärtern haben wir immer eine Ausbildungsgruppe von rund zehn Personen. Es bleibt das Gemeinschaftsgefühl aus der Jugend erhalten und auch die Neuen werden schnell in die Gruppe integriert. Da sicherlich keiner ins THW gekommen ist, um ewig in der Grundausbildung zu sein, haben wir die Laufzeit der Grundausbildung auf ein halbes Jahr gekürzt und sie ins Winterhalbjahr gelegt. Letzteres weil der Winter bei uns traditionell weniger arbeits- und ausbildungsintensiv für den Zug ist. Denn die Ausbildung findet primär abwechselnd durch die Führungskräfte und qualifizierten Helferinnen und Helfer des Zuges statt. Dies hat zum Vorteil, dass sich die Helferanwärterinnen und Helferanwärter und zukünftigen Führungskräfte kennen lernen, sozusagen beschnuppern können.

Wir haben uns bewusst für die Altersspanne von 17 ± ½ entschieden, da die Helferinnen und Helfer vor Abschluss der Schule bzw. Ausbildung bereits ihre Grundausbildung abgeschlossen haben und im Zug angekommen sind. Dies entlastet die Jugendlichen bei den Prüfungen und hat den positiven Nebeneffekt, dass die Jugendlichen eine enorme Standorttreue entwickeln. Selbst Studentinnen oder Studenten, die weiter weg studieren, bleiben uns erhalten.

Wir können aktuell eine Übertrittsquote von mehr als 80 Prozent vorweisen, in absoluten Zahlen sind dies mehr als 35 ehemalige Jugendliche im Technischen Zug, die die neue Grundausbildung durchlaufen haben. Zahlen, die für sich sprechen.

Das war sicher keine Ein-Mann-Show. Durch wen hattest du Unterstützung für das Vorhaben?

Grundsätzlich haben alle im OV mitgezogen! Insbesondere unser Ortsbeauftragter und unser Zugführer haben das neue Konzept unterstützt. Ersterer hatte die sinkenden Helferzahlen aufgrund der immer weiteren Verkürzung und schlussendlich Abschaffung der Wehrpflicht vor Augen und unser Zugführer kam selbst aus der Jugend. Er kannte die Schwierigkeiten und Probleme der Junghelfer, da er sie am eigenen Leib erfahren hatte. Kernaspekt, der über den ganzen geraden genannten Punkten steht, ist die Erkenntnis, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Es kann nicht in der einen Ecke "die Jugend" und in der anderen Ecke "den Zug" geben. Wir sind ein Ortsverband und müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um fit für die Zukunft zu sein. Insbesondere in der Anfangsphase war noch nicht jeder von diesem Ansatz überzeugt. Die Gruppenführer scheuten die Mehrbelastung durch die Ausbildung und die Jugendbetreuer hatten die Sorge, dass ihnen die älteren Junghelferinnen und Junghelfer weggeschnappt werden. Diese Bedenken konnten wir jedoch durch den Erfolg unserer neuen Grundausbildung ausräumen.

Paul, du beschreibst ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Wie bewertest du die Rolle der Jugendlichen? Was tragen sie zum Gelingen bei?

Da sie keine Angst vor dem Übertritt haben sind die Junghelferinnen und Junghelfer heiß auf den Dienst im Zug. Ihnen ist klar, dass ihre erste Priorität der Zug ist, jedoch spricht nichts dagegen, dass sie auch nach Bestehen der Grundausbildungsprüfung weiter am Jugenddienst teilnehmen. Wir fördern dies sogar indem wir Terminkollisionen zwischen Zug und Jugend vermeiden. Aus unserer Sicht ergeben sich hieraus nur Vorteile: Der Übergang von Jugend in den Zug verläuft fließend, im Schnitt bleiben die Jugendlichen nach der Prüfung ca. 3-4 Jahre in der Jugend aktiv. Sie sind im Zug und in der Jugend hochmotiviert und unter ihnen finden sich einige unserer engagiertesten Helferinnen und Helfer. Auch unsere Jugendbetreuer sehen darin nur Vorteile, denn sie haben somit immer rund zehn qualifizierte Erwachsene, welche den Jugenddienst unterstützen. Ebenso fördert dies enorm die Bindung zwischen Jugend und Zug, da die ehemaligen Junghelferinnen und Junghelfer aus den unterschiedlichen Gruppen kommen und jeweils stolz aus ihren jetzigen Gruppen berichten.

Ein Beispiel hierfür, dass dies für Jugend und Zug nur von Vorteil ist, ist zum Beispiel unser Kevin. Er gehörte zur ersten Gruppe nach dem neuen Konzept und ist heute Verwaltungsbeauftragter und stellvertretender Ortsjugendleiter.

Im Jahr 2009 hat der OV Rheine sein Konzept für die Grundausbildung grundlegend überarbeitet, da bis zu diesem Entschluss die Jugend, die Grundausbildung und der Technische Zug quasi vollkommen voneinander getrennt gearbeitet haben. Im Interview stellen drei Mitglieder des Ortsverbandes das Konzept der integrierten Grundausbildung ausführlich vor.

Das Konzept als PDF findet ihr hier.

Grundausbildungsgruppe des OV Rheine Herbst 2014/Frühjahr 2015
Grundausbildungsgruppe des OV Rheine Herbst 2014/Frühjahr 2015

Im Jahr 2009 hat der OV Rheine sein Konzept für die Grundausbildung grundlegend überarbeitet, da bis zu diesem Entschluss die Jugend, die Grundausbildung und der Technische Zug quasi vollkommen voneinander getrennt gearbeitet haben. Im Interview stellen drei Mitglieder des Ortsverbandes das Konzept der integrierten Grundausbildung ausführlich vor.

Das Konzept als PDF findet ihr hier.

Einen interessanten Bericht über die Prüfung der integrierten Grundausbildung im Juni 2015 hat der Ortsverband Rheine auf seiner Homepage veröffentlicht.

Fragen an Paul Wehry (Ausbildungsbeauftragter), OV Rheine

Paul: Ich bleib dabei, da mir das Herz aufgeht, wenn alles wie am Schnürchen funktioniert hat, wenn die Helfer am Ende mit einem Lächeln vom Einsatz wiederkommen. Das ist das was mich antreibt.

Paul, du bist nun schon seit einigen Jahren Ausbildungsbeauftragter im Ortsverband Rheine. Nach dem ersten Kalenderblatt zur Kampagne „Ich bleib dabei“ hast du uns sofort deine Unterstützung angeboten. Warum setzt du dich als AB so für das Thema „Übertritte“ ein?

Als Ausbildungsbeauftragter lernt man bei Lehrgänge, Tagungen und Ausbildungen viele Ehrenamtliche kennen und kommt mit ihnen ins Gespräch. Oftmals drehen sich diese Gespräche, insbesondere von Ortsbeauftragten, deren Stellvertretern und Ausbildungsbeauftragten um die Helfergewinnung, Jugend und Übertritte. Die damit verbundenen Probleme sind uns aus der Vergangenheit bekannt und wir konnten sie durch eine Handvoll kleiner Maßnahmen und enge Zusammenarbeit im Ortsverband äußerst erfolgreich bewältigen. Als ich von der Kampagne im Dezember lass, habe ich den Entschluss gefasst unsere durchweg positiven Erfahrungen zu Papier zu bringen.

Vor der Neukonzeptionierung hatten wir eine Grundausbildungsgruppe, die getrennt von Jugend und Zug agierte. Wer als Junghelferin oder Junghelfer 18 geworden war, wurde in die Grundausbildung geschickt und dann war es das quasi in der Jugend. In der Grundausbildungsgruppe gab es deshalb immer ein Kommen und Gehen, so konnte kein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Insbesondere die Jugendlichen, aber auch Erwachsene fühlten sich einfach verloren. Der Preis dafür war, dass aus der Zeit vor der Neukonzeptionierung, obwohl die Junghelferzahlen immer stabil über 30 waren, nur eine Handvoll Jugendliche den Übertritt geschafft hat.

Alle Beteiligten waren mit der bisherigen Situation unzufrieden und deshalb haben wir uns zusammengesetzt und nach einigen, teilweise kontrovers geführten Diskussionen auf ein neues Konzept geeinigt.

Also habt ihr euch überlegt, dass ihr etwas ändern müsst. Paul, was ist deiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg in eurem Konzept? Was genau macht ihr heute anders?

Unser Konzept besteht aus vielen kleinen, einfach umzusetzenden Bausteinen, die zusammen jedoch Enormes bewirken können.

Jeweils ein Jahrgang der Junghelferinnen und Junghelfer wechselt in die Grundausbildung. So haben wir immer einen Kern der Gruppe der aus ca. 5-8 Jugendlichen besteht. Zusammen mit den weiteren Helferanwärterinnen und Helferanwärtern haben wir immer eine Ausbildungsgruppe von rund zehn Personen. Es bleibt das Gemeinschaftsgefühl aus der Jugend erhalten und auch die Neuen werden schnell in die Gruppe integriert. Da sicherlich keiner ins THW gekommen ist, um ewig in der Grundausbildung zu sein, haben wir die Laufzeit der Grundausbildung auf ein halbes Jahr gekürzt und sie ins Winterhalbjahr gelegt. Letzteres weil der Winter bei uns traditionell weniger arbeits- und ausbildungsintensiv für den Zug ist. Denn die Ausbildung findet primär abwechselnd durch die Führungskräfte und qualifizierten Helferinnen und Helfer des Zuges statt. Dies hat zum Vorteil, dass sich die Helferanwärterinnen und Helferanwärter und zukünftigen Führungskräfte kennen lernen, sozusagen beschnuppern können.

Wir haben uns bewusst für die Altersspanne von 17 ± ½ entschieden, da die Helferinnen und Helfer vor Abschluss der Schule bzw. Ausbildung bereits ihre Grundausbildung abgeschlossen haben und im Zug angekommen sind. Dies entlastet die Jugendlichen bei den Prüfungen und hat den positiven Nebeneffekt, dass die Jugendlichen eine enorme Standorttreue entwickeln. Selbst Studentinnen oder Studenten, die weiter weg studieren, bleiben uns erhalten.

Wir können aktuell eine Übertrittsquote von mehr als 80 Prozent vorweisen, in absoluten Zahlen sind dies mehr als 35 ehemalige Jugendliche im Technischen Zug, die die neue Grundausbildung durchlaufen haben. Zahlen, die für sich sprechen.

Das war sicher keine Ein-Mann-Show. Durch wen hattest du Unterstützung für das Vorhaben?

Grundsätzlich haben alle im OV mitgezogen! Insbesondere unser Ortsbeauftragter und unser Zugführer haben das neue Konzept unterstützt. Ersterer hatte die sinkenden Helferzahlen aufgrund der immer weiteren Verkürzung und schlussendlich Abschaffung der Wehrpflicht vor Augen und unser Zugführer kam selbst aus der Jugend. Er kannte die Schwierigkeiten und Probleme der Junghelfer, da er sie am eigenen Leib erfahren hatte. Kernaspekt, der über den ganzen geraden genannten Punkten steht, ist die Erkenntnis, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Es kann nicht in der einen Ecke "die Jugend" und in der anderen Ecke "den Zug" geben. Wir sind ein Ortsverband und müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um fit für die Zukunft zu sein. Insbesondere in der Anfangsphase war noch nicht jeder von diesem Ansatz überzeugt. Die Gruppenführer scheuten die Mehrbelastung durch die Ausbildung und die Jugendbetreuer hatten die Sorge, dass ihnen die älteren Junghelferinnen und Junghelfer weggeschnappt werden. Diese Bedenken konnten wir jedoch durch den Erfolg unserer neuen Grundausbildung ausräumen.

Paul, du beschreibst ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Wie bewertest du die Rolle der Jugendlichen? Was tragen sie zum Gelingen bei?

Da sie keine Angst vor dem Übertritt haben sind die Junghelferinnen und Junghelfer heiß auf den Dienst im Zug. Ihnen ist klar, dass ihre erste Priorität der Zug ist, jedoch spricht nichts dagegen, dass sie auch nach Bestehen der Grundausbildungsprüfung weiter am Jugenddienst teilnehmen. Wir fördern dies sogar indem wir Terminkollisionen zwischen Zug und Jugend vermeiden. Aus unserer Sicht ergeben sich hieraus nur Vorteile: Der Übergang von Jugend in den Zug verläuft fließend, im Schnitt bleiben die Jugendlichen nach der Prüfung ca. 3-4 Jahre in der Jugend aktiv. Sie sind im Zug und in der Jugend hochmotiviert und unter ihnen finden sich einige unserer engagiertesten Helferinnen und Helfer. Auch unsere Jugendbetreuer sehen darin nur Vorteile, denn sie haben somit immer rund zehn qualifizierte Erwachsene, welche den Jugenddienst unterstützen. Ebenso fördert dies enorm die Bindung zwischen Jugend und Zug, da die ehemaligen Junghelferinnen und Junghelfer aus den unterschiedlichen Gruppen kommen und jeweils stolz aus ihren jetzigen Gruppen berichten.

Ein Beispiel hierfür, dass dies für Jugend und Zug nur von Vorteil ist, ist zum Beispiel unser Kevin. Er gehörte zur ersten Gruppe nach dem neuen Konzept und ist heute Verwaltungsbeauftragter und stellvertretender Ortsjugendleiter.

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Fragen an Kevin Kutscha (Verwaltungsbeauftragter und stellvertretender Ortsjugendleiter), OV Rheine

Kevin: Ich bleib dabei, weil ich sehen will, was aus den Jugendlichen wird und wie sie sich entwickeln. Weil sich Freundschaften im THW entwickeln und ich gemeinsam mit meinem AB die Arbeit im Büro koordinieren kann und dann sehe, was die Helferinnen und Helfer letztendlich an der Einsatzstelle leisten. Das ist das, was mich freut und deshalb „bin ich dabei“ und „ich bleib dabei“.

Kevin, nun gehörst du ja mit Anfang zwanzig schon zu den tragenden Säulen im OV, die auch Verantwortung übernehmen. Wie hast du damals den Wechsel von der Jugendgruppe zu den Aktiven persönlich erlebt?

Durch das neue Konzept, welches in meiner Grundausbildungszeit zum ersten Mal getestet wurde, hatte man einen größeren Bezug zum Zug. Da ein Gruppenführer unsere Gruppe nicht alleine ausgebildet hat, brachte er oft weitere Helferinnen und Helfer aus der jeweiligen Gruppe mit. Schnell lernte man eine Großzahl von Helferinnen und Helfer aus den verschiedensten Gruppen des Zuges kennen.

Einige Helferinnen und Helfer, die uns ausbildeten, kannte ich persönlich schon aus meiner Junghelferzeit. Hier ist für mich ein besonderes Plus, denn man war sich vertraut.

Der Übertritt nach der Grundausbildung in den Zug, verlief total problemlos. Man hatte sich im Laufe der Grundausbildung ein eigenes Bild von jeder Gruppe gemacht und hatte sich ausgemalt, in welcher Gruppe man gerne Helfer sein möchte.

Bei den ersten Dienstabenden habe ich mich nie als „Neuer“ gefühlt. Man wurde direkt mit eingebunden und hatte feste Aufgaben, das hat mir sehr gut gefallen.

Kevin, du bist im Ortsverband Verwaltungsbeauftragter. Gleichzeitig hast du dich auch zur Kandidatur für das Amt des stv. Ortsjugendleiters bereit erklärt und bist gewählt worden. Deine Wurzeln sind also in der Jugend, bleibst du ihr deshalb auch treu?

Als Verwaltungsbeauftragter habe ich die Möglichkeit beide Tätigkeiten ordentlich auszuführen. Zwischen dem Posten des Verwaltungsbeauftragten und des stellv. Ortsjugendleiters gibt es viele Parallelen die man super kombinieren kann. Ich versuche mich nicht nur im Stab weiterzubilden, sondern lege auch viel Wert darauf, praxisrelevante Dinge zu lernen, um den Jugendlichen noch mehr zu erklären. Daher habe ich mich auch entschieden mich zum Prüfer Grundausbildung ausbilden zu lassen, um den Jugendlichen in ihrer Prüfung ein bekanntes Gesicht zu geben und die „Nervosität“ zu nehmen.

Ein weiterer Punkt ist, zu sehen was aus jedem einzelnen Jugendliche wird. Viele Jugendliche kenne ich noch als elfjährige Kinder. Heute fahren sie mit ihrem eigenen Auto zum Jugenddienst und bilden selbst unsere Junghelferinnen und Junghelfer in der Jugend aus. Die Ausbildung der Junghelferinnen und Junghelfer zusammen mit dem Ortsjugendleiter, meinem Vater Thomas und den vielen weiteren Helferinnen und Helfern aus dem Zug zu kordieren macht mir riesig viel Spaß.

Wenn du auf deine persönliche Entwicklung und deine THW-Karriere schaust, was macht euch und eure Art, den Übertritt für Jugendliche zu gestalten, in Rheine aus?

Das wir „ein“ THW sind. Es gibt bei uns keinen Unterschied, ob Jugend, Grundausbildung, Stab oder Zug. Das merkt man immer wieder auf Öffentlichkeitsveranstaltungen. Hier zeigen Helferinnen und Helfer zusammen mit Jugendlichen, interessierten Besuchern, was genau das THW kann und was uns auszeichnet.

Genauso wird bei uns die Kameradschaftspflege groß geschrieben. Es gibt bei uns zum Beispiel eine Weihnachtsfeier des Ortsverbandes mit allen Helferinnen und Helfer, egal ob Jugendliche oder Aktive.

Ich denke, dass es das ist, was uns von anderen unterscheidet und was den Junghelferinnen und Junghelfern von Anfang an zeigt, dass sie sich gut aufgehoben fühlen.

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Fragen an Leonie Hesping (17 Jahre - Helferanwärterin), OV Rheine

Leonie: Ich bleib dabei, weil es einfach Spaß macht zu den Diensten zu kommen und mit den anderen zusammen zu sein.

Leonie, du bist gerade quasi mittendrin in der Grundausbildung. Wie geht es dir damit? Wie ist der Einstieg in die Grundausbildung abgelaufen?

Einige der Junghelferinnen und Junghelfer sind mit mir in die Grundausbildung gegangen und die meisten kannte ich deshalb schon. Mit den anderen Anwärterinnen und Anwärtern habe ich mich aber auch schnell verstanden. Die Ausbilder sind auch immer gut drauf und dadurch machen mir die Ausbildungsdienste immer riesigen Spaß.

Was ist für dich das Besondere in der Grundausbildung? Gibt es etwas, was dir besonders viel Spaß macht?

Das Besondere an der Grundausbildung ist, dass man bei den „Großen“ im Zug mitfahren darf. Besonders viele Freude hatte ich auch im Februar, als wir Helferanwärterinnen und -anwärter mit auf das Übungsgelände durfte. Es war zwar anstrengend und ich hatte viele blaue Flecken, aber es hat einfach total Spaß gemacht!

Wenn du einen Wunsch frei hättest, was möchtest du als Helferin später am liebsten machen?

Ich würde gerne in eine der beiden Bergungsgruppen und wenn das nicht klappen sollte, dann würde ich gerne in die Fachgruppe Räumen und dann möchte ich vielleicht später auch noch den LKW-Führerschein machen.

Hast du noch Anbindung an die Jugendgruppe, stehst du noch in engem Kontakt mit den Jugendlichen?

Also ich gehe auch immer noch gerne zu den Jugenddiensten, weil es einfach Spaß macht den Jüngeren etwas zu zeigen und beizubringen. Ich erzähle dann auch, was ich nun selbst in der Grundausbildung alles mache. Die Jugendlichen sind ganz interessiert und stellen immer viele Fragen.

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