Die THW-Jugend auf der Seidenstraße

Christina Schäfer, die Teil der THW-Jugend-Gruppe war, die im Dezember nach Usbekistan gereis ist, berichtet über ihre Eindrücke:

Um die usbekische Organisation „USAR (Urban Search and Rescue) training for youngsters", die der THW-Jugend ähnelt, näher kennenzulernen, reiste eine Gruppe von THW-Angehörigen im Namen der THW-Jugend und deren „Team international“ im Dezember 2018 für zehn Tage nach Usbekistan. Es ist eine säkulare, überwiegend muslimisch geprägte Republik Zentralasiens, ehemaliger Teil der Sowjetunion und seit 1991 unabhängig.

Zusammengesetzt hat sich unsere Reisegruppe aus Mitgliedern der THW-Ortsverbände Berlin Tempelhof-Schöneberg, Braunschweig, Dresden und Neustadt/Weinstraße. Aufgebrochen sind wir zunächst zu dritt am 03.12.18, einem Montag, in Frankfurt am Main. Aufgrund eines überbuchten Fluges haben wir Usbekistan fast einen Tag verspätet erreicht, nachdem wir eine Nacht am Moskauer Flughafen verbracht hatten.

Daher wurden wir erst abends am Flughafen in der usbekischen Hauptstadt Taschkent herzlichst empfangen. Dort erwartete uns auch unser vierter Mitreisender, der mit einem anderen Flug gekommen war. Der langen Anreise und der fortgeschrittenen Uhrzeit wegen ging es nach dem Abendessen sofort ins Hotel.

Am nächsten Morgen durften wir im Hauptsitz der „Youth Union of Uzbekistan“ einige wichtige Vertreter treffen und wir haben den Aufbau dieser Organisation näher kennengelernt.

In Usbekistan ist die Jugendorganisation des Katastrophenschutzes ein Mitglied der „Youth Union“, die dem deutschen Bundesjugendring ähnelt. Die „Youth Union“ vergibt allerdings auch Kredite an junge Menschen mit einer Geschäftsidee, beschäftigt sich mit jugendlichen Straftätern und hat weitere Abteilungen für beispielsweise Sport.

Für den Katastrophenschutz gibt es ein eigenes usbekisches Ministerium, das „Favqulodda vaziyatlar vazirligi“. In Deutschland ist das THW als Bundesanstalt dem Bundesinnenministerium zugeordnet.

Am Nachmittag besuchten wir dann eine Universität des Katastrophenschutzes, wo uns ihr Gerät sowie ihre Fahrzeuge und Tätigkeitsbereiche vorgestellt wurden. Schere, Spreizer und Trennschleifer waren identisch mit unserer Ausstattung, anderes existiert bei uns in abgewandelter Form.

Da Erdbeben in Usbekistan ein Problem sind, wurden wir ausführlich darüber informiert und durften ein simuliertes Erdbeben miterleben. Immer wieder waren Pressevertreter anwesend, um über unseren Besuch zu informieren.

Die Fahrzeuge des Katastrophenschutzes werden zumindest teilweise in Usbekistan gefertigt und manche besitzen Schlafabteile, was im Einsatz manchmal natürlich sehr praktisch sein kann.

Nach einem Eintrag in das Gästebuch der Universität ging es zurück in das Zentrum der Stadt. Dort besichtigten wir auf dem Weg zum Abendessen die aufwendig gestalteten U-Bahnstationen und warfen einen Blick in einen usbekischen Supermarkt.

Allzu viel Schlaf war uns nicht vergönnt, da unser Zug nach Samarkand um 7.00 Uhr morgens abfuhr und wir zuvor noch unsere Koffer am Flughafen abholen mussten. Unser Gepäck war von Moskau aus mit uns nach Istanbul geflogen, nachdem wir auf diese Route umgebucht worden waren, ist dann allerdings leider zurück nach Moskau geflogen und nicht zusammen mit uns nach Taschkent.

Erfreulicherweise war unsere Zugfahrt (wie alle anderen dort auch) auf die Minute pünktlich und wir hatten so noch Zeit den Komfort von frisch gewaschenen Sachen und einer Dusche im Hotel zu genießen, bevor wir eine Stadtbesichtigung machten. Vor allem der Registan-Platz, der größte öffentliche Platz weltweit, war sehr beeindruckend und man hat manches Brautpaar samt Photographen angetroffen. Auf der gesamten Reise konnte man immer wieder die usbekische Architektur bewundern.Toll war außerdem der sehr lebhafte Markt, wo man auch vor dem Kauf einiges probieren durfte. Manchmal hat man dort sogar ein vertrautes, deutsches „Guten Tag“ vernommen.

Freitags konnten wir glücklicherweise endlich unsere Uniformen anziehen, die leider im Koffer gewesen waren und daher erst etwas verspätet zum Einsatz kommen konnten. Am Vormittag besuchten wir ein College der Organisation, das verschiedene Einheiten ausbildet. Wir wurden sehr freundlich empfangen und über die dortigen Tätigkeiten aufgeklärt. Im Hof wurde uns die Ausstattung demonstriert und auch hier wurden Fragen beantwortet, sowohl von uns als auch von unseren Gastgebern. Auffällig war vor allem die hervorragende Disziplin, die herrschte.

Außerdem besuchten wir auf unseren Wunsch hin eine Papierfabrik, die Papier traditionell herstellt. Über das „Seidenblatt von Samarkand“ hat bereits Goethe geschrieben. Anschließend durften wir das neu eröffnete Jugendzentrum der „Youth Union“ in Samarkand besichtigen. Uns wurden die vielfältigen Angebote für Jugendliche erläutert und wir wurden durch das Gebäude geführt. Am Abend ging es dann mit dem Zug bereits weiter nach Buchara.

Da unser erster Tag dort auf einen Feiertag, den „Tag der Verfassung“, fiel, besichtigten wir Buchara, das auch bei geschlossenen Geschäften einiges bot. Auch hier war ein lokaler, ortskundiger Mitarbeiter der „Youth Union“ mit dabei, um uns immer sicher an unser Ziel zu bringen.

Am nächsten Tag haben wir dann wieder Mitglieder des Katastrophenschutzes getroffen. Zuerst haben wir eine Schule besucht, wo uns eine kleine Präsentation zu vergangenen Einsätzen und Übungen des Katastrophenschutzes vorgespielt wurde. Die dortige Jugend des Katastrophenschutzes hatte außerdem einen Parcour aufgebaut, den einer von uns durchlief.

Danach haben wir ein College besucht, das sich speziell mit dem Umgang mit Gasunfällen beschäftigt und eine örtliche Wache besichtigt. Auch dort wurde uns Ausrüstung präsentiert und man konnte sich über Verschiedenes austauschen. Man konnte – natürlich – viele Gemeinsamkeiten finden, sowohl bei unseren Aufgaben als auch bei Gerätschaft, Methodik und Fähigkeiten.

Bereits am nächsten Tag sind wir dann in die Berge in ein Camp der „Youth Union“ gefahren. Dort ist auch der Chef der internationalen Abteilung der „Youth Union“ zu uns gestoßen, wir hatten ihn bereits mit den anderen Vertretern der „Youth Union“ an unserem ersten Tag kennengelernt.

Sehr schön war unser Ausflug in den Schnee, wir sind geritten beziehungsweise mit einem Quad durch den Schnee gefahren und mit einem alten Sessellift noch weiter den Berg hinauf gelangt. Die Aussicht war umwerfend und bei einem kleinen Mittagessen wurden wir erstaunlicherweise von einem Usbeken in bestem Deutsch angesprochen. Im Camp haben wir außerdem gemeinsam Fußball gespielt und Plow gekocht, ein traditionelles, usbekisches Gericht, von dem wir im Laufe unserer Reise verschiedene Varianten kosten durften.

Bald ging es zurück in die Hauptstadt, wo unser vierter Mitreisender, der auch auf dem Rückweg einen anderen Flug nehmen sollte, abreisen sollte. Leider verhinderte Nebel dies und so wurde die Nacht sehr kurz, bis schließlich alles geklärt war. Wie immer hat sich unser Reiseführer sehr bemüht, alles zu regeln.

Auch uns drei Übrigen blieben dann am Morgen nur noch Stunden bis zum Abflug, die wir damit verbrachten, das Programm des ersten Tages, das wir wegen unserer Verspätung verpasst hatten, nachzuholen. Daher konnten wir noch einiges von Taschkent sehen.Nach einem kleinen Abschiedsessen mit einer usbekischen Version des Döners mussten auch wir uns dann verabschieden und uns auf den Rückweg zurück nach Deutschland machen.

Die letzten Schwierigkeiten waren ein erneut verschwundener Koffer, der jedoch zwei Tage später bei seinem Besitzer ankam. Nach dieser erfolgreichen Reise sollen nun in Zukunft Jugendbegegnungen mit Jugendgruppen stattfinden.

Ich persönlich habe ein Land kennengelernt, in dem Respekt viel Wert besitzt und dessen Bewohner sehr freundlich sind, das ganz anders ist, als man es sich vielleicht vorstellen würde und das auch als Reiseziel ohne offiziellen Zweck bestens geeignet ist. Und ich habe einen kompetenten und sicherlich sehr zuverlässigen Partner im Katastrophenschutz kennengelernt.

Während der Zeit haben wir viel erlebt, wir haben viel gegessen und wir haben viel gelernt. Der Gastgeber schenkt den Tee ein, der Älteste sitzt am Kopfende des Tisches und manchmal muss man nicht die gleiche Sprache sprechen, um sich zu verstehen!