Tschechien
Gegen
10:00 Uhr und nach nervenaufreibender Parkplatzsuche traf die Gruppe im
Feuerwehrhaus ein, das unweit der Prager Innenstadt liegt. Im Tagungsraum
erwartete uns ein sehr reichlich gedeckter Frühstückstisch. In Anbetracht des
bereits im Hotel eingenommenen Frühstückes der pr
oblematischste
Teil der Besprechung. Gastfreundschaft und besonders Bewirtung wird in der
tschechischen Republik groß geschrieben!
Nach
einer persönlichen Vorstellung wurden die jeweiligen Organisationen erläutert.
Das THW bzw. dessen Jugendarbeit war den tschechischen Koll
egen
unbekannt. Insofern nahmen die allgemeinen Informationen bereits einen weiten
Raum ein. Sowohl die Bundesanstalt (besonders der grenznahe Raum) als auch die
THW-Jugend wurden grob skizziert. Highlights der tschechischen Jugendfeuerwehren
sind die Wettkämpfe, die von der Orts- bis zur Landesebene reichen. Im Jahr
werden ca. 450 Zeltlager von über 4000 ehrenamtlichen Jugendbetreuern
organisiert. Die feuerwehrtechnische Ausbildung vor Ort bildet im Alltag 50 %
der Aktivitäten. Die andere Hälfte der Zeit wird durch Spiel ausgefüllt. Also
ähnlich der Situation im THW. In Tschechien gibt es 8.000 Ortsverbände der
Freiwilligen Feuerwehr von denen 3.500 eine Jugendgruppe haben.
Zwischen
der deutschen und der tschechischen Jugendfeuerwehren beider Länder gibt es
bereits regen Austausch. Es bestehen aber die Bereitschaft und der Wunsch auch
mit den Jugendgruppen des THW in Austausch zu treten. Nachdem die Gruppe bereits
am Vorabend in Pilsen eingetroffen und von Ingo Henke eingehend mit den
theoretischen Grundlagen der internationalen Jugendarbeit vertraut gemacht
worden war, stand um 10:00 Uhr ein Besuch in der Leitstelle des
Feuerwehrrettungskorps in Pilsen auf dem Programm. Die Aufgaben der
Rettungskorps stimmen in etwa mit dem Profil des THW überein, werden allerdings
ausschließlich haupt-amtlich wahrgenommen.
Das
Programm begann mit der Vorstellung der Strukturen im integrierten
Rettungssystem der tschechischen Republik (Übersicht im Anhang) und setzte sich
in der Besichtung der Zentrale fort. Das THW brauchten wir nicht vorzustellen,
da bereits ein Austausch im grenznahen Bereich besteht.
Im Anschluss an den Aufenthalt in der Leitstelle konnten wir noch eine Wache Pilsener Berufsfeuerwehr besichtigen und uns über den hohen Standard der Einrichtungen in`s Staunen versetzen lassen. Den Abschluss bildete ein informatives Gespräch, in dem Herr Bucifal, der nicht nur Berufsfeuerwehrmann ist, sondern auch in der freiwilligen Feuerwehr Jugendarbeit leistet, die praktische Seite noch einmal näher erläuterte.
Auf
direktem Wege von der Feuerwehr ging es zu Tandem, unserem ersten Termin der uns
die allgemeine, nicht unbedingt
blaulichtbezogene Kinder- und Jugendarbeit in Tschechien näher bringen sollte.
Nachdem die Arbeit des THW vorgestellt war, gab es im Gespräch mit den
Verantwortlichen vor Ort viel über die Situation der Jugendlichen in Tschechien
zu erfahren. Zum Beispiel dass auf den Kontaktdatenbanken doppelt so viele
tschechische wie deutsche Gruppen Kontakte suchen. Dass dies aber zu einem sehr
großen Teil Schulen und Schulklassen sind, da in Tschechien ein breites
schulisches Betreuungsangebot für die Zeit nach dem Unterricht besteht. Zudem
wurde durch Tandem eine Vielzahl an Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten
offeriert. Auch hier wurde die Gruppe wieder außerordentlich gastfreundlich und
aufgeschlossen empfangen.
Den
Abschluss der Erkundungsfahrt bildete ein Treffen mit dem Geschäftsführer des
GFB Chemnitz. In dieser Funktion ist Herr Hochmann bereits seit einiger Zeit in
Kontakt mit Feuerwehren und Rettungskorps im Rahmen der
Anrainerstaatenzusammenarbeit. Er trug auch einen wesentlichen Anteil am
Zustandekommen der Kontakte mit den besuchten tschechischen Einrichtungen. Über
diese Zusammenarbeit wurde ein Erfahrungsbericht gegeben. Er sieht großes
Interesse der tschechischen Seite an Kooperation.
Es besteht bereits ein Austausch zwischen einer deutschen und tschechischen Jugendgruppe, die auch auf dem Bundesjugendlager zu Gast war. Allerdings sei Konsequenz und Durchhaltevermögen nötig, um langfristig stabile Bindungen aufzubauen. Probleme würden sich aus oftmals ungeklärten finanziellen Rahmenbedingungen ergeben. Die Kontakte zeichneten sich durch eine enorme Gastfreundschaft und Kreativität der tschechischen Seite aus, die manchmal nur schwer zu erwidern sei.