Russisch-Sprachkurs für Fachkräfte der
deutschen Jugendhilfe in Нижний Новгород

 

Bericht von Verena Anthes

Hintergrund und Motivation

Die THW-Jugend e.V. pflegt bereits seit mehreren Jahren einen Kontakt mit der Jugendorganisation der Studentischen Korps der Rettungshelfer (мчc), basierend auf einer Absichtserklärung, die im September 2006 von beiden Organisationen unterzeichnet wurde. Als Mitglied des Team International der THW-Jugend e.V. möchte ich künftig Jugendgruppen nach Russland begleiten. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, den vom IJAB ausgeschriebenen Sprachkurs in Nishnij Nowgorod zu besuchen. Nachdem bereits im letzten Jahr zwei meiner Kollegen aus dem Team International diesen Sprachkurs besucht haben und sehr positiv berichtet haben, hatte ich auch den Wunsch, den Sprachkurs besuchen zu können. Um so größer war dann auch die Freude meinerseits, als dann ich dann letztendlich die Zusage erhielt.

Das Vorbereitungstreffen

Zwei Wochen vor dem Abflug nach Russland trafen sich alle 7 Teilnehmer in Bonn auf einem Vorbereitungstreffen, welches vom IJAB organisiert wurde. Wir bekamen einige Informationen über Russland, die für mich sehr hilfreich waren, da ich vorher noch nicht dort gewesen bin. Ebenfalls wurde uns das Programm für den Sprachkurs ausgehändigt sowie unsere Flugtickets. Das „Highlight“ des Vorbereitungstreffen war allerdings der von allen Seiten gefürchtete Test: hierbei stellte sich nun auch heraus, dass einige ein anderes Verständnis von „Anfängerkurs“ hatten. Teilweise verfügten einige Teilnehmer bereits über gute Russisch Kenntnisse, was sich auf die Motivation der Anfänger etwas negativ auswirkte. Dennoch konnten wir bereits auf dem Vorbereitungstreffen feststellen, dass die Gruppe gut harmoniert und so war die Vorfreude auf den Sprachkurs groß.

Reise und Ankunft

Die Reise begann für mich am Freitag morgen am Flughafen in München. Dies war durchaus praktisch für mich, da ich in der Nähe von München wohne.

 

Am Flughafen traf ich auf vier weitere Teilnehmer. Gemeinsam sind wir dann mit einem Airberlin Flug nach Moskau geflogen, um dort am Flughafen die beiden noch fehlenden Teilnehmer in Empfang zu nehmen. Am Flughafen hatten wir einige Stunden Zeit, bevor uns ein Flug der Siberia Airline weiter zu unserem Ziel Nishnij Nowgorod brachte. Dort kamen wir dann abends um ca. 11 Uhr an und wurden von Katja (einer Mitarbeiterin des Ministeriums), Nastia (einer der Lehrerinnen) sowie Viktoria (unsere Dolmetscherin) in Empfang genommen. Mit einem Kleinbus ging es dann über sehr holprige Straßen nach Lazurny, wo wir letztendlich nachts um ca. halb zwei ankamen. Jeder erhielt dort ein Einzelzimmer, welches ich als sehr positiv empfand, grade am Beginn einer solchen Reise, wenn man sich innerhalb der Gruppe noch nicht so gut kennt. Die Zimmer in Lazurny waren sehr gut ausgestattet. Die gesamte Atmosphäre in Lazurny war sehr angenehm, besonders erfreut waren wir von den Möglichkeiten der Freizeitgestaltung (Sport, Schwimmbad, Sauna).

Der Sprachkurs

Am Beginn des Sprachkurses befand ich mich in der Situation, dass ich gerade mal die kyrillischen Buchstaben so einigermaßen entziffern konnte, aber alles andere war mir fremd. Da wir die ersten Tage des Sprachkurses in Lazurny noch nicht in zwei Gruppen aufgeteilt waren, waren alle Teilnehmer trotz unterschiedlicher „Level“ zusammen. Dies empfand ich als weniger vorteilhaft und ich habe auch die ersten Tage massiv Schwierigkeiten gehabt, dem Unterrichtstempo zu folgen. Nastia, unsere Lehrerin, hat sich aber durchaus sehr viel Mühe gegeben, gerade uns absoluten Anfängern die Sprache näher zu bringen. Der Unterricht wurde von ihr sehr abwechselungsreich gestaltet, mit vielen Spielen und Liedern wurde uns nicht langweilig. Es kristallisierte sich nach einigen Tagen auch heraus, wie die gesamte Gruppe aufgeteilt werden sollte. Ich befand mich dann mit zwei anderen Teilnehmern in der Anfänger Gruppe. Wir wurden dann in Nishnij Nowgorod weiter von Natasc

 

ha unterrichtet, die mit sehr viel Erfahrung es dann auch schlussendlich bei mir schaffte, dass meine Motivation wieder besser wurde und auch erste Lernerfolge eintraten. Der Fortgeschrittenen Kurs wurde weiterhin von Nastia unterrichtet. Für Spiele oder gemeinsames Singen wurden die beiden Gruppen zusammengelegt. Den Aufbau des Unterrichts bei Natascha empfand ich als sehr angenehm, da sie sehr strukturiert gearbeitet hat. Sie lockerte den Unterricht auch viel durch Spiele auf, besonders in den Nachmittags Unterrichtsstunden. Mit ihrer ruhigen Art konnte sie mir die russische Sprache sehr gut vermitteln und ich habe nun auch vor, weiterhin russisch zu lernen. In diesen 3 Wochen habe ich eine Menge gelernt, natürlich ist und bleibt die russische Sprache sehr schwer. Eine gute Basis ist allemal gelegt und ich möchte sehr gerne „am Ball“ bleiben, es wäre viel zu schade, dass gelernte wieder zu vergessen. Es hat mir einfach sehr viel Freude gemacht, auch wenn man beim lesen teilweise fünf Anläufe gebraucht hat, bis ein Wort endlich richtig ausgesprochen war. Trotz dieser Ausspracheschwierigkeiten hatten wir unglaublich viel Spaß im Unterricht, auch wenn wir täglich 6 Unterrichtsstunden hatten. Am Ende des Sprachkurses gab es bei der offiziellen Verabschiedung noch für jeden eine Urkunde. Der Sprachkurs war einfach nur toll und ich bin selbst überrascht, dass ich am Ende des Kurses so viel Freude an der Sprache hatte, obwohl ich mich zu Beginn richtig schwer tat.

Das Programm

Während der ersten Tage waren wir in Lazurny untergebracht in einem sehr gut ausgestatteten Jugendcamp. In dieser Zeit machten wir auch den ersten Ausflug nach Wyksa. Neben einer Stadtführung besuchten wir eine orthodoxe Kirche sowie ein Kulturzentrum. Die orthodoxe Kirche war wirklich sehr beeindruckend, besonders weil wir die Gelegenheit bekamen, auf den Kirchturm zu gehen. Im Jugendcamp in Lazurny waren zur gleichen Zeit auch sehr viele Kinder untergebracht und wir konnten an einem Abschiedsfest teilnehmen, das von und mit den Kindern gestaltet wurde. Es war für mich sehr überraschend, wie begeisterungsfähig diese Kinder waren und mit welchem Eifer sie bei der Sache waren. Zurück in Nishnji Nowgorod bekamen wir dort auch erst mal eine ausführliche und interessante Stadtführung. An dieser Stelle muss ich auch betonen, dass wir die ganzen drei Wochen eine sehr nette Übersetzerin hatten. Wir haben sie direkt ins Herz geschlossen und der Abschied nach den drei Wochen fiel sichtlich schwer. Viktoria begleitete uns während unserer Ausflüge und war auch sonst oft mir von der Partie. Das Ausflugs-Highlight war für mich der Besuch von Suzdal, eine wirklich wunderschöne kleine Stadt, in der es früher 15 Klöster gegeben hat. Suzdal wirkt wie ein großes Museum, sehr viele schöne Fotomotive gab es dort für mich. Eine weitere Stadt, die wir besucht haben, war Kstovo. Hier wurden wir im Rathaus sehr herzlich empfangen, bekamen eine ausführlich Stadtführung, besuchten die große Samba-Schule, ein Waisenhaus und andere Einrichtungen. Besonders beeindruckend war für mich das Waisenhaus, in dem man uns einen sehr warmen und herzlichen Empfang bereitete. In einem Art Kreativzentrum mussten wir dann auch selbst kreativ werden, das kam für uns sehr überraschend und hat uns doch eine Menge Spaß bereitet. Das offizielle Programm war insgesamt sehr abwechselungsreich und ermöglichte uns einen Einblick in die verschiedene Einrichtungen. Ich konnte feststellen, dass man überall immer sehr engagierte Menschen getroffen hat, die auf das was sie leisteten, immer sehr stolz waren.

Das Land und die Menschen

Besonders fiel mir auf, dass wir überall auf nette und freundliche Menschen gestoßen sind. Egal ob wir nun in einer großen Stadt wie Nishnji Nowgorod waren oder in einer kleinen Stadt wie Suzdal. Die Menschen waren auch durchaus erstaunt als sie erfuhren, dass wir aus Deutschland sind. Und wir wurden nicht nur einmal gefragt, warum wir denn ausgerechnet in Nishnji Nowgorod „Urlaub“ machen würden. Touristen sind eher selten gesehen. Das ist bereits schon dadurch aufgefallen, dass man nirgends ganz normale Ansichtskarten kaufen konnte. Auf mich hat das Land einfach nur einen wunderbaren Eindruck gemacht, drei Wochen sind sicherlich eine kurze Zeit um sich einen „richtigen“ Eindruck zu verschaffen.

Fazit und Zukunftswünsche

Seit dem Sprachkurs sind nun gute drei Wochen vergangen. Ich habe oft noch die Unterlagen in der Hand und übe lesen. Und es ist erstaunlicher Weise noch sehr viel des gelernten in meinem Kopf geblieben. Auch das Programm war super und sehr abwechselungsreich. Natürlich spielt auch immer die Gruppe eine große Rolle und da waren wir wirklich eine gut harmonierende Gruppe. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Nachtreffen zustande kommt. Es wäre auch sinnvoll so ein Nachtreffen bereits terminlich im Voraus festzulegen. Ich persönlich würde mich auch freuen, wenn im nächsten Jahr ein Aufbaukurs angeboten wird. Ich hoffe, dass ich das etwas Basiswissen der russischen Sprache bei künftigen Aktionen unserer THW-Jugend gut gebrauchen kann. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei Paul und Ilona für die Vorbereitung und Betreuung bedanken. Auch die Betreuung in Nishnij Nowgorod durch Katja, Viktoria und unsere Lehrerinnen Natascha und Nastia war hervorragend. Спасибо !!!