
Nach langer
Planung war es endlich so weit. Im September diesen Jahres reiste ic
h mit meinem
Betreuerkollegen Andre Schröder in die Russische Föderation um dort Kontakte zu
dem Studentischem Korps der Rettungshelfer der Stadt Murmansk zu knüpfen.
Murmansk ist, mit über 320,000 Einwohnern die nördlichste Großstadt der Welt und
die größte Stadt der Arktis. Bekannt wurde Murmansk weltweit durch seinen
eisfreien Hafen trotz widriger Wetterverhältnisse. Etwa dreißig Kilometer
nördlich der Stadt befinden sich drei riesige Flottenstützpunkte, in denen die
gesamte Nordmeerflotte der Russischen Marine stationiert ist.
Begleitet wurden
wir von Rainer Schmidt, welcher bereits Erfahrungen in diesem Land gesammelt
hatte und uns von Ingo Henke zur Verfügung gestellt wurde. Es war eine sehr
interessante und abenteuerliche Reise. Bereits auf dem Moskauer Flughafen zeigte
sich, dass eine Uniform auch von Vorteil sein kann. Wir wurden von den
Flughafenangestellten an sämtlichen Warteschlangen vorbeigelotst sehr
zuvorkommend behandelt. Nun ja, das war der internationale Teil des Flughafens,
auf dem Nationalen sah es dann schon wieder anders aus. Dort war es schon nicht
mehr möglich sich auf Englisch zu unterhalten und wir konnten die fünf Stunden,
die wir dort verbringen mussten, nicht einmal etwas zu trinken kaufen da wir
keinen einzigen
russischen Rubel in der Tasche hatten. Dort lernten wir
allerdings noc
h zwei deutsche Geschäftsreisende kennen. Die waren aber fast
genau so gut zu verstehen wie die Russen, sie kamen aus Bayern. Sie erzählten
uns von ihren abenteuerlichen Flugreisen innerhalb Russlands, wie sie bereits
Bruchlandungen und brennende Triebwerke erlebt haben.
In Murmansk angekommen, wurden wir von unseren Gastgebern herzlichst empfangen und anschließend natürlich standesgemäß in einem dicken Mercedes zu unserem Hotel gebracht. Zwar auf leichten Umwegen, da uns nebenbei noch die gesamten Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt wurden aber so gegen halb zwei Uhr morgens haben wir dann doch unser Bett gesehen.
Bereits im Voraus
war mir der enge Zeitplan aufgefallen. Wir starteten am ersten Tag mit der
offiziellen Begrüßung und einer Pressekonferenz und
eilten dann von
Besichtigungen und Besprechungen zu Essen und offizi
ellen Empfängen. Überall wo
wir zu Gast waren, warteten teilweise schon mehrere Fernsehteams auf uns um ein
Interview ergattern zu können. Unterwegs waren wir auf der gesamten
Kola-Halbinsel mit einem sehr modernen Reisebus, welchen wir nachher als Tourbus
umtauften, da wir von unseren Gastgebern aufgrund des Medienwirbels als
Superstars betitelt wurden.
Neben den offiziellen Teilen der Reise gab es natürlich auch Momente, in denen man sich persönlich mit den russischen Partnern beschnuppern und diese besser kennen lernen konnte. Das fiel uns auch nicht sehr schwer, da unsere Gastgeber sehr herzlich und offen zu uns waren. Wir haben uns dort sehr schnell heimisch und geborgen gefühlt. Trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede haben wir schnell eine gemeinsame Sprache gefunden und sich wie in einer großen Familie gefühlt.
Durch Besuche bei
den dort ansässigen Katastrophenschutzeinheiten
und Rettungsorganisationen haben
wir sehr schnell einen westlichen Eindruck gewonnen. Der Stand der Technik ist
unbedingt auf deutschem Niveau und der Ausbildungsstand überschreitet dem des
THW bei weitem. Dabei sollte man allerdings beachten, dass der
Katastrophenschutz in Russland hauptamtlich betrieben wird. Die Helfer werden
dort an der Universität ausgebildet. Sie bekommen, jedenfalls in der Region
Murmansk, eine Ausbildung zum Sanitäter, Bootsführer, Höhenretter, Bergsteiger
und Fallschirmspringer. Außerdem kommt die Ausbildung an dem technischen Gerät
der Fahrzeuge noch hinzu. Wir waren sehr begeistert von der Vielfalt der
Ausbildung der Helfer.
Nach vielen sehr
sehr interessanten Erlebnissen bei unseren russischen Gastgebern traten wir zum
Wochenende die Rückreise an. Nun fing der Spaß erst richtig an. Bei unserer
Landung auf dem Moskauer Flughafen verfehlte unser Pilot die Ausfahrt, legte
eine Vollbremsung auf der Piste hin und führ mit uns dann über den Grünstreifen
n
eben der Landebahn. Nachdem wir dann für über zehn Euro einen mittelmäßigen
Hamburger in Moskau verspeist hatten, ging es dann weiter in Richtung
Deutschland. Als wir allerdings das Flugzeug zu Gesicht bekamen, waren wir schon
am überlegen nach Deutschland zurückzulaufen. Nun ja, noch ein wenig
Spachtelmasse mehr, hier und da noch mal eine Schraube reindrehen, dann wären
wahrscheinlich auch die unbesetzten Sitze und die Verkleidung des Notausganges
bei der Landung in Hannover nicht um bzw. abgefallen.
Wie gesagt, die Reise war sehr interessant und ich denke wir haben sehr nette und freundliche Leute kennen gelernt. Man kann eigentlich sagen, wir haben neue Freunde gefunden. Im kommenden Mai werden sie zu uns zu einem Gegenbesuch kommen. Dort werden wir dann Termine und weiteres Vorgehen absprechen wie wir uns einen Austausch der Jugendlichen vorstellen und durchführen wollen.
Ich denke ich konnte euch einen kleinen Eindruck über unsere Reise verschaffen und hoffe, dass nach uns noch viele weitere kommen und den Schritt wagen mit ihrer Jugendgruppe in die internationale Jugendarbeit einzusteigen.
Euer
René Dreimann
Jugendbetreuer
THW-Bremerhaven