
Bericht von Svetlana Berilo
Eine Delegation des THW aus Deutschland war bei Ihren russischen Kollegen in der
Regionalleitung des Ministeriums für
außerordentliche Situationen (MCS) in Krasnodar zu Gast.
Eine vierköpfige Delegation aus Deutschland kam für fünf Tage in das südrussische Krasnodar, um sich über Ausbildung und Vorbereitung junger Retter auf deren Einsatz zu informieren.
Krasnodar ist die Hauptstadt des Krasnodarskiy Krai (Krasnodarer Gebiet) und hat knapp eine Million Einwohner. Die Stadt liegt in der Nähe des Schwarzen Meers an den Ufern des Flusses Kuban. Deshalb wird dieses Gebiet auch oft als Kuban-Region bezeichnet.
In Krasnodar wurden die Gäste von dem Abteilungsleiter für Gefahrenabwehr und lebensrettende Maßnahmen, Russlan Tscherkasov, sowie dem Leiter der Hauptverwaltung des MCS des Krasnodarskiy Kray, Alexandr Kaslikin; begrüßt. Das MCS bedeutet wortwörtlich übersetzt soviel wie Ministerium für außerordentliche Situationen.
Erster
Anlaufpunkt für die deutsche Gäste war das Museum des MCS, welches von dessen
Geschichte und die der Retter im Süden Russlands erzählt. Der Raum Krasnodar ist
das Mutterland der Kuban-Kosaken. Deshalb waren die Kosaken auch die ersten
Rettungskräfte in Südrussland und haben die Entwicklung des Rettungswesens in
der Kuban-Region st
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beeinflusst. Das Museum erfreut sich auch kleiner Besucher ab 6 Jahren und
veranstaltet regelmäßig Kinderwettbewerbe. Deswegen verfügt dieses Museum über
eine einzigartige Sammlung der gelungensten Exponate junger Meister aus Papier,
Salzteig, Eierschale und anderen Materialien, die illustrieren, wie man im
Notfall verhalten muss.
Nach dieser historischen Einführung hat die Delegation eine Spezialschule
besucht. Diese Schule unterrichtet junge Retter im Alter von 15 bis 17 Jahren.
Die 15-jährigen Schüler haben die Besucher an ihrem Unterricht teilhaben lassen.
Themen wie Brandbekämpfung, Bergung, Rettung in radioaktiv verunreinigter
Umgebung und die erste Hilfe standen auf dem Stundenplan. Die Gäste waren sehr
beeindruckt von der professionellen Vorbereitung, der Schnelligkeit und der
Opferbehandlung durch die jungen Retter. Nach zwei Jahren intensiver
Vorbereitung können die Schüler eine Abschlussprüfung ablegen, deren
erfolgreiches Bestehen ihnen ermöglicht, ohne die sonst obligatorischen
Aufnahmeprüfungen das Studium an einer Universität
zu
beginnen. Aber nicht alle junge Leute aus diese Schule möchten später als
Rettungskräfte arbeiten. Für einige ist der Besuch dieser Schule einfach nur von
persönlichem Interesse, ganz wie ein Hobby.
Krasnodar ist sehr berühmt durch seiner kosakische Kultur und Traditionen. Die deutschen Gäste haben sich davon selbst überzeugen können, als sie die Schule von Zakhartschenko besucht haben. Die Kinder aus diese Schule haben vormittags gewöhnlichen Unterricht und am Nachmittag lernen sie die kosakische Kultur. Sie üben sich in Handarbeit, spielen altertümliche und moderne Instrumente, lernen kosakische Volkstänze und patriotische Lieder. Die Schüler haben die deutsche Delegation ganz nach kosakischer Tradition in Trachten gekleidet und mit Orchestermusik begrüßt. Auch die in aller Welt bekannte traditionelle Reichung von einem Laib Brot mit Salz durfte natürlich nicht fehlen. Dieser nicht alltägliche Empfang hat die ausländischen Besucher sehr gerührt.
Am
nächsten Tag hat die Delegation die Staatliche Kuban-Universität für
Körperkultur, Sport und der Touristik besucht. Der Rektor der Universität hat
den Gästen die
Fakultät für Lebensrettung gezeigt. Die Studenten dieser Fakultät studieren die
Wasserrettung, die Bergung, den Nahkampf, die Brandbekämpfung und das Schießen.
Die Absolventen dieser Fakultät arbeiten später im MCS und in anderen
Rettungseinheiten.
Nachdem
die Gäste den Unterricht der zukünftigen Rettungsspezialisten besucht hatten,
waren sie beim Krasnodarer Sicherheits- und Rettungsdienst Kuban-Spas
eingeladen, um sich bei einer Demonstration von Rettungsübungen vom Können der
zukünftigen Universitätsabsolventen zu überzeugen. Dabei wurden verschiedene
Notfallsituationen, wie z.B. die Bergung einer Person aus einem brennenden Auto,
wirklichkeitsgetreu simuliert.
Das Programm für die deutschen Gäste war gut gefüllt. Nach dem Besuch bei den Rettungskräften von Kuban-Spas fuhren wie weiter in das Kinderferienlager „Orlenok“ („junger Adler“) eingeladen. Dieses Lager befindet sich im Gebiet der Küstenstadt Tuapse und ist das größte Kinderferienlager in Russland, denn bietet Platz für für 2500 Kinder. Man kann es mit einer kleinen Stadt vergleichen. Hinzu kommen noch 1500 Stellen für Bedienstete. Außerdem hat das Lager eine eigene Schule für die Kinder, die es während des Schulzeit besuchen kommen. Eine Besonderheit dieser Schule ist, dass seine Schülen keine Hausaufgaben aufbekommen. Orlenok hat sogar sein eigenes Raumfahrtmuseum, einen eigenen Fernsehkanal und eine Zeitung, für die professionelle Journalisten arbeiten.
Bemerkenswert ist aber, dass die Kinder in ihren Zimmern keine TV-Geräte haben.
Wegen ihrer voll ausgefüllten Tage würden sie sowieso wenig fernsehen. Der Lager
ist
in sieben thematische Bereiche geteilt. Die Kinder, die sich im Bereich
Lebensrettung erholen, machen regelmäßig Wanderungen in den Bergen, besuchen die
Erste-Hilfe-Kurse, lernen die Grundlagen der Rettung und treiben Sport auf dem
riesigen Stadion. Alle Kinder besuchen ebenso die Kunst-Schule, wo sie Origami-
und Handwerksunterricht haben. Und natürlich steht sehr viel Schwimmen auf dem
Programm, während des Sommers im Meer und im Winter im Schwimmingpool, der mit
Meerwasser gespeist wird. Die Verwaltung des Lagers hat der Delegation eine
Einladung für den deutschen THW-Nachwuchs überreicht, damit deutsche und
russische junge Retter gemeinsam erlebnisreiche Tage verbringen können.
Am nächsten Tag reiste die Delegation weiter nach Noworossijsk. Aber bevor sie ihr Ziel erreichte, wurde ein kurzer Stopp eingelegt, um die Dolmen zu besichtigen. So heißen die geheimnisvollen Steindenkmäler an der Schwarzmeerküste, die an Stonehendge erinnern.
Mit
dem Sessellift ging es dann weiter auf die Berge, die sich direkt entlang der
Schwarzmeerküste erheben. Von
650
Metern Höhe kann man einen unvergesslichen Ausblick auf das Meer genießen.
In Noworossijsk angekommen haben die deutsche Besucher die Abteilung der Hauptfeuerwache besucht. Noworossijsk ist die Hafenstadt und hat eine riesiges Erdöllager. Die Feuerwache kontrolliert die Verschiffung des Erdöls und organisiert regelmäßig Sicherheitsschulungen für die Lagerarbeiter. Während der letzten acht Jahre gab es nicht den geringsten Störfall.
Am letzten Tag der Reise haben die deutschen Gäste Anapa besucht, um die örtliche Hauptleitstelle von Kuban-Spas zu besichtigen. Anapa ist eine sehr bekannte Touristenstadt an der Schwarzmeerküste. Während der Sommersaison kommen etwa 4 Millionen Urlauber nach Anapa. Die örtlichen Rettungskräfte haben daher immer gut zu tun. Kurz nach der Ankunft der Delegation gab es bereits einen Notruf. Ein älterer Mann und sein 10jähriger Enkel drohten auf dem Meer mit dem Motorboot wegen hohen Wellengangs zu kentern.
Schnell machten die Retter das betroffene Boot aus führten die Bergungsoperation durch. Hier ergab sich für die Gäste aus Deutschland sogleich die Möglichkeit, die Arbeit des Rettungsdienstes im Ernstfall zu beobachten und zu bewerten.
Nach Abschluss der Bergung stand ein Ausflug mit dem Motorboot auf dem Programm. Vom Meer sind die zahlreichen Strände der Küste gut zu sehen und das unruhige Meer mit seinen dunkelazurblauen Wellen machte den Ausflug zu einem besonderen Erlebnis, bei dem man einen guten Eindruck von den Arbeitsbedingungen der Wasserrettung gewinnen konnte.
Am nächsten Morgen war es leider schon wieder Zeit nach Deutschland aufzubrechen. „Ich war sehr beeindruckt von der Natur der Krasnodarer Region“, sagte der Delegationsteilnehmer Ingo Henke vom Team International, „ich finde sie ist vergleichbar mit der von Südfrankreich. Ich habe ein ausgezeichneter Eindruck von dem Professionalismus der russischen Retter. Insbesondere haben mir die jungen Retter gefallen, die nur 15-17 Jahre alt sind, aber schon sehr professionell agieren“.
Leider verging die Zeit während des Treffens viel zu schnell. Mit vielen neuen Ideen und Plänen zum Austausch zwischen jungen deutschen und russischen Rettern, aber auch mit zahlreichen Souvenieren im Gepäck kehrte die Delegation des THW nach Deutschland zurück.