THW-Jugend-Vertreter in China
- eine Reise ins Land des Lächelns -
Bericht von Hanna Glindmeyer
„Weshalb fahren
THW-Jugend-Vertreter nach China?“, wird sich manch Leser fragen. Die
Anwort: Der chinesische Ministerpräsident hatte bei einem Besuch der
Bundeskanzlerin 400 deutsche Jugendliche nach China eingeladen.
Nach einer Bewerbung beim Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend hatten Ingo Henke, Referent der Bundesjugendleitung
für internationale Beziehungen und Hanna Glindmeyer, Stellvertretende
Bundesjugendleiterin, Glück und wurden ausgewählt, die deutsche
Jugendverbandsarbeit zu präsentieren – China konnte kommen!
Um die Gruppe überschaubar zu halten und möglichst alle Gebiete der
Jugendarbeit abzudecken, wurden vier Gruppen á 100 Personen gebildet.
Unsere – die erste – Delegation bestand aus Vertretern von
Jugendverbänden; die weiteren Gruppen (u.a. Sport, Politik) werden dann
im nächsten Jahr nach China fahren.
Stationen der 10-tägigen Reise waren neben Peking noch Zhengzhou
(Provinz Henan) und Shanghai. Wie bei chinesischen oder japanischen
Reisegruppen in Deutschland gut bekannt, wurde das Programm von morgens
bis abends verplant – wir wollten und sollten schließlich eine Menge
erfahren und erleben.
Die deutsche Delegation wurde in China dann noch einmal in vier
Untergruppen aufgeteilt, die sich an der Ebene der Tätigkeit (Bundes-,
Landes-, Kreis- oder Ortsebene) orientierte. Dabei waren sowohl Haupt-
als auch Ehrenamtliche mit an Bord.
Ein Banner mit der kuriosen Aufschrift „Willkommen für die deutsche 100
Jugendliche Delegation“ empfing uns an allen Orten unserer Reise. Ob am
Flughafen, beim Besuch der Universität oder bei der Besichtigung der
Baustelle für den U-Bahn-Bau zur Olympiade in Peking - überall wurden
wir zur Freude und Belustigung der Gruppe auf deutsch mit diesen Worten
empfangen.
Highlight der Reise war für mich der Besuch in einer chinesischen
Familie für einen halben Tag: Zu zweit wurden wir um 14.00 Uhr auf die
Familien verteilt, in deren Wohnungen mitgenommen und bekocht. Da die
Familien grundsätzlich nur ein Kind haben dürfen und Jungen als
Nachwuchs beliebter sind, da sie für die Altersvorsorge aufkommen, gibt
es mittlerweile einen deutlich höheren Anteil männlicher Kinder in
China.
Meine Familie war eine solche Musterfamilie: Mutter, Vater, 17-jähriger
Sohn. Dabei haben wir nicht nur die Gastfreundschaft der Chinesen
kennengelernt, sondern auch erfahren, dass die Schulausbildung in China
sehr hart ist: Der Sohn hat uns erzählt, dass er morgens um 6.00 Uhr mit
20-minütiger Frühgymnastik in der Schule beginnt und – unterbrochen von
einer Mittagspause – bis abends um 22 Uhr Unterricht hat.
Chinesen sind sehr höflich und freundlich; Kritik darf man allerdings
nicht üben, damit der Gegenüber nicht „das Gesicht verliert“. Daher
mussten wir immer auf der Hut sein, um die Gastfamilie nicht zu
beleidigen. Ablehnung durfte also nicht durch ein einfaches „Nein“
erfolgen, sondern musste freundlich verpackt werden, etwa wie „ich
vertrage leider aus gesundheitlichen Gründen kein Fleisch“. Das führte
dann dazu, dass der mit mir in der Familie eingeladene Deutsche zwar
noch um das Schweinefleisch herumkam (er ist Moslem), gegen das
angebotene Bier konnten wir uns jedoch nicht mehr „wehren“.
Daneben haben wir einerseits touristische Attraktionen besucht – die
chinesische Mauer natürlich, den Kaiserpalast, den Fernsehturm von
Shanghai und die Longmen-Grotten in Luoyang. Andererseits gab es auch
ein jugendverbandsbezogenes Programm, wie etwa den Besuch einer
englisch-sprachigen Schule für geistig behinderte Kinder oder Gespräche
bei der Tongji-Universität in Shanghai.
Sinn und Zweck der Reise war es insbesondere zu prüfen, inwieweit
Beziehungen zu Jugendverbänden mit ähnlicher Ausrichtung wie die
THW-Jugend in China aufgebaut werden können. Dabei wurden wir leider
etwas enttäuscht. Denn in China gibt es keine vergleichbare
Vereinsstruktur wie in Deutschland, sondern einen Allchinesischen
Jugendverband, der Ansprechpartner für sämtliche Fragen zur Jugendarbeit
ist. Die Chinesen fassen den Begriff der Jugend übrigens sehr weit. So
kann dort durchaus ein 35-jähriger Jungmanager noch als „Jugendlicher“
durchgehen.
Die Reise war sowohl von der deutschen als auch von der chinesischen
Seite aus hervorragend organisiert: Es standen in China vier Busse zur
Verfügung, die uns zu den jeweiligen Stationen brachten. Wert gelegt
wurde auf eine gute Verpflegung der Delegation: Zumeist gab es zweimal
täglich eine warme Mahlzeit, dabei häufig abends ein Bankett. Meinem
Geschmack kam die chinesische Küche sehr entgegen, einige Teilnehmer
haben sich jedoch schnell nach deutschem Brot zum Frühstück, Messer und
Gabel oder auch einfach nur einem guten Braten gesehnt.
Da wir als Vertreter aus Deutschland natürlich auch
Repräsentationsaufgaben wahrzunehmen hatten, war die richtige Kleidung
zum jeweiligen Programmpunkt noch wichtiger als üblich. Daher gab es
schon vor Abreise Informationen, bei welcher Veranstaltung A-, B- oder
C-Kleidung angemessen ist. A-Kleidung war dabei die eleganteste
Variante, also ein Anzug mit Hemd und Krawatte für die Männer und ein
Kostüm o.ä. für die Frauen. C-Kleidung bezeichnete die private
Freizeitkleidung für die Besichtigungen wie etwa die Chinesische Mauer.
Aufgrund des sehr heißen Wetters (35 Grad Celsius, schwül-warm) war es
allerdings nicht erstrebenswert, viele Termin in A-Kleidung, sprich im
THW-Anzug, zu absolvieren. Natürlich konnte man wegen des
Besucher-Status auch in der Freizeit keine kurzen Hosen anziehen, ein
Rock oder eine dünne, helle Hose brachten aber schon Erleichterung. In
dieser bequemen Kleidung traten wir dann auch die Rückreise in die
Heimat an und landeten nach einem zwölfstündigen Flug mit vielen neuen
Eindrücken in Frankfurt/ Main.
Zweiter Lagebericht von Ingo aus China
Hallo,
Sightseeing
war unheimlich beeindruckend. Wir sind raus aus Peking - durch einen
Superstau, den es hier an jeder Ecke gibt - zur Großen Mauer. Eigentlich
heißt sie richtig übersetzt "die 10.000 km lange Mauer", aber auch das
kann man nicht wörtlich nehmen, denn natürlich ist die Mauer etwas mehr
als 5.000 km lang. Wie nun 10.000 und "die" große Mauer? Ist mir erklärt
worden: 10.000 ist in der chinesischen Sprache das Synonym für unendlich
groß - und ist als Zahl auch nur den Gottheiten vorbehalten. Nun Fakt
ist, sie ist ein beeindruckendes Bauwerk und zeigt die Beharrlichkeit
der Chinesen.
Von der Mauer ging es gleich weiter zurück nach Peking in die "Verbotene Stadt". Also dem Palastkomplex, wo die chinesischen Kaiser lebten. Diese zu betreten, war für die normale Bevölkerung nicht erlaubt; daher der Name verbotene Stadt. Übrigens hat dieser Palast lediglich 9.999 Zimmer, in welchen sich Kaiser und Gefolge aufhalten konnten. Warum nur 9.999? Aufgepasst? Natürlich richtig: weil die Zahl 10.000 nur den Gottheiten vorbehalten war. Der Kaiser von China dankte nach der Revolution 1911 ab, durfte aber noch bis 1924 in der verbotenen Stadt leben. Danach durfte dann auch die normale Bevölkerung in den Palast.
Könnt ihr euch vorstellen, wie lange es dauert, einen Palast mit so vielen Zimmern zu besichtigen?
Die
gesamte Gruppe wie auch ich war dann froh, als es zum Highlight des
Tages kam. Das große Essen der Peking Ente. Ihr wollt nicht wirklich
wissen, wie das Ding zubereitet wird; wer doch, darf mal bei Wikipedia
blättern. Aber übelst lecker das Zeug! Letztendlich das Beste ist die
Haut, die auch tatsächlich als letztes gebracht wird. Vorher isst man
noch viele andere Dinge und immer zwischendurch wieder etwas von der
Ente. Gibt da viele Teile, nicht nur die Brust. Keule geht auch noch.
Oder Beine. Innereien sind dann schon etwas grenzwertig. Kleingehacktes
Irgendwas gebraten auf Sojasprossen zum Beispiel. Oder Leber in Soße
gebraten, mit Sahne und Zuckerstreußel. Hab da mal ein Foto von machen
lassen - auch als Beweis, dass ich es tatsächlich gegessen habe. Wie
gesagt, wenn man sich bis zum ende durchgefuttert hat, kommt man zur
Haut. Diese wird in Teigfladen gepackt und gegessen. Absolut
phantastisch.
Heute ist unsere Delegation von Peking in die Provinz Henan in die Stadt Zhengzhou gereist. Kurzer Flug von knapp zwei Stunden. Am Flughafen wurde unsere Delegation von der örtlichen Provinzverwaltung empfangen und unsere vier Busse mit Polizeieskorte zum Hotel PingMei ZhengZhou Hotel gebracht. Anschließend wurde ein kleiner Teil der Delegation vom Vorsitzenden des ZK der Provinz empfangen.
Die Provinz Henan übrigens hat die gleiche Fläche wie Deutschland, es leben hier 98 Mio.
Menschen und es hier werden 10% des Getreidebedarfs Chinas gedeckt - was etwa 50 Billionen KG bedeutet. Weiterhin ist man sehr stolz, bald über 4.000 km Autobahn zu verfügen. Nun, der Vortrag des Vorsitzenden war sehr ausführlich...
Weiterer Bericht folgt sicher, wenn ich wieder Zugang zum Internet habe.
Gruß,
Ingo
Erster Lagebericht von Ingo aus China
Liebe Freunde,
hier
nun mein erster Reisebericht aus Peking. Glaubt mir, es ist wahrlich
anstrengend, wir haben Temperaturen von beinahe 40 Grad und nachts
leider auch nicht kühler. Grad habe ich die Klimaanlage im Hotelzimmer
noch ein bisschen nach unten geregelt.
Vielleicht klappt es dann heute besser zu schlafen. Unser Tag hier ist
übrigens bereits beendet, während ihr grad Kaffeezeit habt. Heute hatten
wir ein sehr volles Programm mit Gesprächen bei verschiedenen
Ministerien und auch die Besichtigung einer U-Bahn-Baustelle. Warum wir
ausgerecht dort waren, erschließt sich mir noch nicht völlig, aber es
war wohl wichtig. Am Abend waren wir dann noch von der deutschen
Botschaft zu einem Empfang eingeladen worden.
Ich fand es sehr angenehm, fast deutsches Essen zu bekommen, chinesisch
ist wohl wirklich nichts für mich - ich würde sagen interessant, aber
doch ein Hauch von Kalafkalasch.
Ob wir hier einen Partner finden oder ob es für uns als machbar erscheint, Jugendbegegnungen zu organisieren, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Und natürlich im Rahmen einer Auswertung, die wir nach der Reise durchführen werden. Bestimmt aber kann ich euch sagen, dass die Anreise hierher nicht nur beschwerlich, sondern auch lang war.
Schließlich bin ich am Montag um 07.00 Uhr
in Osnabrück abgereist und war am Dienstag um 17.00 Uhr (MESZ +6) im
Hotel in Peking.
Morgen wird es etwas ruhiger: Sightseeing!
Herzliche Grüße
Ingo