Besuch vom Russischen Katastrophenschutz in Bremerhaven

 

Bericht von Nils Rupietta, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Helferwerbung

 

In der vergangenen Woche war eine Delegation des russischen Katastrophenschutzes in der Stadt Bremerhaven zu Gast. Dabei handelte es sich um den Leiter des MCS Murmansk (Ministerium für den Katastrophenschutz und besondere Notlagen), den Leiter der Jugendorganisation (Studentischer Korps der Rettungshelfer) und eine Dolmetscherin.

Murmansk, mit über 300.000 Einwohnern die größte Stadt der Arktis, liegt auf der Kola-Halbinsel nahe zu Norwegen und gehört der Russischen Föderation an. In Murmansk wie auch im restlichen Russland wird der Katastrophenschutz hauptamtlich betrieben. Unterteilt in föderale und kommunale Abteilungen, helfen die Murmansker "Retter" - so nennen sich dort die Mitarbeiter - in allen erdenklichen Situationen wie beispielsweise bei Verkehrsunfällen, Türnotöffnungen, Bergrettung, Ölunfällen und vielem mehr. Lediglich die Brandbekämpfung liegt in Russland unter der Obhut der Feuerwehr. Das umfangreiche Wissen erlernen die Retter schon von klein auf. In einem speziellen Schulfach über die Kenntnisse der Lebenssicherheit erlernen sie bereits früh die Grundkenntnisse und Fertigkeiten, um später vielleicht einmal die Laufbahn zu Berufsrettern einzuschlagen.

Die Jugendlichen werden bereits ab einem Alter von zehn Jahren auf dem ehrenamtlichen Sektor gefördert, um ihr soziales Engagement zu stärken. Diese Jungen und Mädchen werden ihrem Alter entsprechend an Geräten und Technik ausgebildet, um sich in verschiedenen Situationen und auch in Wettkämpfen zu beweisen.

Auf der Basis eines Deutsch-Russischen Abkommens, welches seinerzeit zwischen Putin und Schröder unterzeichnet wurde, erkundete im letzten Jahr ein Team der THW-Jugend Bremerhaven die örtlichen Gegebenheiten in der Stadt Murmansk. Der Hintergrund dabei war zu sondieren, ob man mit diesem Partner einen Austausch von Jugendlichen durchführen kann. Während des Besuches wurde ein Termin abgesprochen, an dem sich die russischen Partner auch die Gegenseite vertraut machen sollten. Ein Ziel dieser Maßnahmen ist, die sprachlichen und kulturellen Differenzen zu überwinden und diese Erfolge unpolitisch über die Grenzen hinaus zu tragen, um der Jugend weitere Perspektiven und Möglichkeiten aufzuzeigen.

Letzte Woche war es dann soweit. Samstagmittag landeten die Gäste am Flughafen Hannover. Von diesem Zeitpunkt an begann ein straff durchgeplantes Programm, welches einen tiefen Einblick in die deutsche Kultur, die technischen Mittel und vor allem in das THW und die THW-Jugend Bremerhaven gewährte.

Neben Rundfahrten durch Stadt und Land, um sich die typische norddeutsche Landschaft anzuschauen, standen Besichtigungen des Deutschen Schifffahrtsmuseums, des Zoos Am Meer und des Deutschen Auswandererhauses auf dem Plan. Letzteres rief bei unseren Gästen hohe Begeisterung hervor. Nicht nur, dass es dort eine russische Führung gab, sondern vor allem, dass dort viele Menschen aus aller Welt die Auswanderung und die Geschichte ihrer familiären Vorfahren nachvollziehen können.
 

Leider waren die zeitlichen Rahmen immer sehr begrenzt, so dass nicht alle Sehenswürdigkeiten und kulturellen Denkmäler genauer in Augenschein genommen werden konnten.

Am Dienstag starteten sie mit einem Flugzeug der OLT zu einem Rundflug. Aus der Luft wirkte der Container- und Autoterminal, welchen man sonst nur durch einen Zaun begutachten kann, noch viel gewaltiger. Neben dem Hafen konnten wir unseren Gästen weitere Eindrücke aus der Luft verschaffen und so auch weitere interessante Eindrücke in und um Bremerhaven zeigen.

Nachdem alle wieder festen Boden unter den Füßen hatten, ging es darum, die Kenntnisse und Fertigkeiten der THW-Jugend Bremerhaven vorzuführen. In einer kleinen Übungsshow demonstrierten die kleinen THW-Helfer, wie sie mit Gerät und Technik umgehen können. Nachdem sie eine verletzte Person, die von einem Auto überrollt worden war, möglichst schonend gerettet hatten, blieb den Jugendlichen ein wenig Zeit, sich mit den Gästen zu unterhalten und sich
auszutauschen.

Am nächsten Tag stand dann ein Empfang beim Magistrat auf dem Plan. Begrüßt durch die stv. Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Lisa Kargoscha, bekam die Delegation einen kleinen Eindruck von der internationalen Jugendarbeit der Stadt Bremerhaven. Kargoscha würdigte außerdem die intensive Jugendarbeit und teilte den Anwesenden ihre Unterstützung für künftige Maßnahmen mit.

Anschließend begab man sich an die THW-Bundesschule nach Hoya. Dort konnten sich die Kameraden einen Überblick verschaffen, über welche Ressourcen das THW bundesweit verfügt, welche Technik vorhanden ist und was bzw. wie das THW seine Helfer ausbildet und spezialisiert. Ein kurzer Besuch in einem Jugendbetreuerlehrgang durfte da natürlich nicht fehlen, um ein wenig "Werbung" für die internationale Jugendarbeit zu machen.

So zeigten sich die Gäste sehr interessiert, als sich die Tore der Feuerwehr Bremerhaven öffneten und der Amtsleiter Herr Prof. Dr. Held  zu einer Führung einlud. Annähernd einen halben Tag verbrachte man auf der Zentralen Feuerwache, um sämtliche Technik und Fahrzeuge zu sehen, bevor es auf einen kleinen Ausflug zu einem Feuerlöschschlepper ging.
 


Am Abend traf man sich dann mit der Jugendgruppe des THW, um sich kennenzulernen und vielleicht auch erste Kontakte zu knüpfen. Während einiger Kegelrunden wurden viele Worte gewechselt und interessante Themen besprochen.

Zum Abschluss des Besuches wurden dann noch eine Bootstour zu den Robbenbänken und eine Fahrt mit dem Hafenbus unternommen. Am Abend stellte René Dreimann, Jugendbetreuer der THW-Jugend Bremerhaven, allen Anwesenden die Pläne für die künftige Zusammenarbeit vor. Während der Woche einigte man sich darauf, im kommenden September mit acht Personen nach Murmansk zu reisen, um dort an einem Ausbildungs- und Wettkampflager gemeinsam mit den Jugendlichen des MCS teilzunehmen. Dieser Besuch wird etwa eine Woche dauern. Im kommenden Jahr ist dann ein Besuch für bis zu drei Wochen geplant, an dem ungefähr 12 bis 15  Jugendliche teilnehmen werden. Im Jahr 2010 erwartet das THW dann die Gäste in der Seestadt Bremerhaven. Wir hoffen, dass sich diese Beziehung immer weiter aufbaut und deutlich macht, dass trotz politischer, kultureller oder sprachlicher Grenzen immer ein Weg vorhanden ist, um zusammenzufinden und neue Freunde zu gewinnen.